JAZZKANTINE

JAZZKANTINE

Foto: Promo

Wie schön ist es, wenn man bei all der Schnelllebigkeit im Musik-Business, wenigstens auf einige Konstanten zurückgreifen kann.

Beispiel gefällig? Zehn Jahre gibt es nun schon die Jazzkantine und noch immer ist deren Musik auf der Höhe der Zeit. Oder anders ausgedrückt: Aufgrund eines sehr zeitlosen Konzeptes ist die Musik „Unbegrenzt Haltbar“, wie das neue Album ja auch so treffend heißt.

Dieses 6. Studioalbum offeriert erneut, auf einer ehrlichen und bodenständigen Basis, eine spannende Mischung aus straighten HipHop-Beats, beseelten Gesangsnummern und hochwertigen Instrumental-Tracks, wobei sich auch Latin- und Reggaeelemente auf mehr als 70 Minuten Spielzeit wiederfinden.

Was vielleicht nur Eingeweihte verfolgt haben: auch wenn sich die Jazzkantine grundsätzlich als ein offenes Kollektiv versteht, so ist das Fundament der Band seit mittlerweile über 20 Jahren gewachsen. Schon als Schüler jammten Bassist Christian Eitner, sowie die Gebrüder Dirk und Jan - Heie Erchinger (Drums bzw. Piano) in gemeinsamen Funk-Bands und bilden somit eine der langlebigsten Rhythmusgruppen ihres Genres. Auch andere Jazzkantine-Musiker wie Gitarrist Tom Bennecke und Saxophonist George Bishop sind seit den Anfangstagen der Band mit dabei und sorgen für einen Sound, der zum einen unverkennbar geworden ist, zum anderen dem deutschen Club-Jazz überhaupt erst den Weg zu mehr Beachtung geebnet hat, in dessen Pfaden Bands und Kollektive wie De-Phazz oder Jazzanova ebenfalls zu großen Erfolgen gekommen sind.

Große Bedeutung für die positive Resonanz, die die Jazzkantine über all die Jahre erfahren hat, ist auch die Vokalakrobatik der beiden Front-Rapper Cappuccino und Tachiles. Sowohl der Song „Mic & Bühne“, als auch die Nummer „Der Bass ist am pumpen“, bei denen die beiden gefeatured werden, verfügen nicht nur über Ohrwurmqualitäten, sondern stecken auch voller Lebensfreude und voller Spaß an der Musik. Auch zahlreichen anderen Songs des neuen Albums geben Cappuccino und Tachiles ihr Gesicht und ihre besondere Charakteristik. Während sich Tachiles beim Titel „Regen“ erneut als ein rühriger und beseelter Poet erweist und mit „Alarm, Alarm“ ein humoristisches, aber dennoch tiefgründiges Liebeslied zum Besten gibt, toastet sein Freund Cappuccino bei „Oop Bop (zurück auf die Insel)“ als hätte er in seinem Leben nie etwas anderes gemacht, als sich der Reggae-Musik zu widmen. Dieser sehnsuchtsvolle Titel ist in jedem Fall die ultimative Herbsthymne für leidgeplagte Mitteleuropäer.

Natürlich hat die JAZZKANTINE auf „Unbegrenzt Haltbar“ wieder zahlreiche Gäste mit dabei, von denen insbesondere der deutsche Ausnahmesänger Xavier Naidoo, aber auch Trompeter Joo Kraus (u.a. Tab Two, Kraan), sowie die Sängerinnen Pat Appleton (De-Phazz) und Sam Leigh Brown genannt werden sollten, wobei letztere gerade mit der Single „Hip Teens Don´t Wear Blue Jeans“ die deutschen Charts stürmte (als Frontsängerin im Frank Popp Ensemble).

Der Kontakt zum Mannheimer Xavier Naidoo ergab sich durch die gemeinsamen Konzerte der Aktion „Rock gegen rechte Gewalt“, die vor drei Jahren von Udo Lindenberg initiiert wurde. Seitdem bestand der Wunsch nach gemeinsamen Projekten, wobei der Titel „Schmetterling“, so großartig er auch geworden ist, nur der erste Schritt in eine noch längere Kooperation zwischen den umtriebigen Niedersachsen (JK) und Hessen (Naidoo) darstellt. Der Song „Schmetterling“ ist ein unwiderstehlich-gefühlvolles Liebeslied, das Naidoo nicht nur gesungen, sondern auch gemeinsam mit seinem Produzenten Michael Herberger produziert hat. Herausgekommen ist, bei aller Sanftheit und Ehrlichkeit, ein für Naidoo eher ungewöhnliches Stück. Christian Eitner: „Xavier zeichnet sich ja durch seine sehr flexible Arbeit in alle Richtungen aus, macht viele Projekte nebenbei, aber dennoch stets mit einer großen Glaubwürdigkeit. Seine Musik definiert sich wie bei uns, immer über den Bauch.“

Da die Jazzkantine auch mit der Band „De-Phazz“ ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, lag es nahe, dass die Soul-Röhre Pat Appleton und ihr De Phazz Mastermind Pit Baumgartner zwei Songs für das neue Album produzierten.

„Dans La Vague“ ist eine wunderschön-entspannte Hymne im De-Phazz-Style, höchst affirmativ-lebensbejahend und voll feinsinniger Anspielungen auf die Wunder der Liebe. In dem zweiten Song, „Prussian Girl“, den die afro-deutsche Vokalistin ebenso distinguiert wie graziös singt, geht es um den Spagat einer Diplomatentochter, zwischen der preußischen Welt eines Elternteils und ihrem afrikanischen Background.

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Über einen anderen Musiker, der seit langen Jahren endlich einmal wieder mit dabei ist, freut sich die Jazzkantine ebenfalls ganz besonders: Trompeter Joo Kraus, der diesmal gleich bei vier Titeln mit dabei ist. „Er war ja eigentlich der erste Solist, den die Jazzkantine einst neben Gunter Hampel mit dabei hatte. Joo hat sehr viel zum ursprünglichem Jazzkantinen-Sound beigetragen.“ In den letzten Jahren hatte sich eine Zusammenarbeit aus terminlichen Gründen leider nicht ergeben, doch nun zeigt der Trompeter wieder sehr eindrucksvoll, warum er zu den besten Vertretern seiner Zunft zählt. „Ich mag an Joo besonders dieses reduzierte Spiel, dass aber gleichzeitig sehr funky ist. In diesem Segment ist er einfach unschlagbar und für mich neben Till Brönner der beste Trompeter in diesem Land. Aber auch menschlich ein toller Typ.

Die Jazzkantine hat in den letzten Jahren verstärkt mit Sängerinnen und Sängern gearbeitet (u.a. beim letzten Album „Futter für die Seele“, aber auch bei den Theaterproduktionen der „Tanzzkantine“), wobei sich insbesondere das Zusammenwirken mit der Sängerin Sam Leigh Brown als äußerst fruchtbar erwiesen hat. Die Britin, die schon seit Jahren in Deutschland lebt, gibt in dem unwiderstehlichen „Mr. Top of the Pops“ ihren großen Respekt für den Super-Star Robbie Williams zum Ausdruck. Bei allem Konkurrenzdenken im Musik-Business ist das ebenso ungewöhnlich, wie charmant. „Sam ist eine zauberhafte Sängerin mit unglaublichen Qualitäten. So etwas habe ich vorher nicht erlebt. Es ist ein Geschenk mit ihr zu arbeiten.“, meint Produzent Christian Eitner über die Vokalistin.

Als weitere Gäste sind auf „Unbegrenzt Haltbar“ dann noch der Deutsch-Türke Bektas, Ragga-Sänger Benjie und die Rotzfreche - Mädel-Rap-Crew „Ischen Impossible“ aus Düsseldorf mit dabei.

Bei dem Titel „Ali & Ahmet“, kommt es zu einer spannenden Begegnung zwischen Ali Baba aka Bektas & Ahmet Gündüz aka Tachiles. Sowohl Bektas, als auch Tachiles sind türkischer Abstammung. Während Tachiles bekanntlich zu den deutschsprachigen Rappern der ersten Stunde gehört (Fresh Familee), gab der jüngere Berliner Bektas kürzlich zu, dass „Tachiles für ihn ein Grund gewesen sei, mit dem Rappen überhaupt zu beginnen“. Längst hat sich auch Bektas einen vorderen Platz im deutschen HipHop erarbeitet. Der Titel „Ali & Ahmet“ knüpft an ältere „Fresh Familee“ -Songs an, in denen Ahmet Gündüz bereits als Alter Ego existierte. „Ali & Ahmet“ reflektiert das Leben von Gastarbeitern, feststellend, dass sich über die Jahre sehr viel geändert hat. Ein sehr hip-hoppiger Deutsch-Türken-Track, der Tachiles erneut als einen scharfsinnigen Denker featured, der zwar kritisch, aber zugleich auch versöhnlich mit der deutschen „MultiKulti“-Gesellschaft umgeht.

Ausgelassen Party-Stimmung verbreiten die „Ischen Impossible“ beim Titel „Hände hoch“ und der Hannoveraner Benjie beweist bei „Keine Grenzen“, warum er mittlerweile einer der besten Ragga-Sänger der Republik ist und nicht ohne Grund bereits mit Gentleman auf Tournee war. (erstes Solo-Album von ihm kommt ebenfalls noch in diesem Herbst!). „Keine Grenzen“ ist ein Loblied auf die Musik als Ganzes und Benjie bringt auf den Punkt, was auch schon seit langem das Credo der Jazzkantine ist: „ Bei der Musik gibt es keine Grenzen“.

Das treibende Funk-Stück „Kohldampf“ und die Up-Tempo-Nummer „Rock Steady“ zeigen dann erneut eindrucksvoll, welch virtuose Instrumentalisten in den Reihen der Jazzkantine stehen und wie groß das Potential der Band ist, eine ausschweifend-fette Party zu feiern. Die JAZZKANTINE verlässt sich bei diesen, wie auch bei vielen anderen Songs der neuen CD, fast ausschließlich auf ihre Stammband. Dazu gehören schon seit Jahren neben den bereits genannten auch DJ Air-Knee (Turntables), York (Alt Saxophon), Christian Winninghoff (Trompete) und George Bishop (Ten Saxophon).

Dazu Christian Eitner: „Wir haben diesmal als Gäste bewusst nur wenige Koryphäen aus verschiedenen Segmenten und Genres herausgepickt, um ein bisschen mehr Zeit für die Band im Studio zu haben. Herausgekommen ist ein, wie ich finde, absolut aufgeräumter Sound“.

Mit der Plattenfirma Warner Special Marketing hat die Jazzkantine einen neuen Partner gefunden, der die Band von Anfang an mehr als Albumband definiert und nicht automatisch an eine Single koppelt. „Dadurch bekommt man Rücken und Kopf frei und so konnten wir wieder künstlerischer arbeiten. Es fühlt sich ein bisschen wie am Anfang der JAZZKANTINE an, als wir uns beim Songschreiben noch gar nicht vorstellen konnten, jemals einen Major-Vertrag zu bekommen“, so Eitner.

„Unbegrenzt Haltbar“ ist ein weiterer Höhepunkt der deutschen Jazz-HipHop-Geschichte. Hohe Qualität, handgemachte Musik. Die JAZZKANTINE, die auch schon in über 500 Konzerten gezeigt hat, was sie drauf hat, klingt auf ihrem neuen Album konsequenter, vielseitiger, vor allem aber auch energetischer als je zuvor.

 

Offz. Homepage:   www.jazzkantine.de 

 

JAZZKANTINE - UNBEGRENZT HALTBAR

 

ALBUM: UNBEGRENZT HALTBAR

VÖ: 3.11.03

WSM

EPK Video

 

CD-Vorstellung

 

Fotos vom Auftritt in Berlin am 10.2.01 bei " Rock gegen rechte Gewalt ".

 

Berlin 03.11.2003 - Björn Hensel von rap2soul und Petra Preuss (Fotos).  

Interview mit den Bandmitgliedern von JAZZKANTINE, Christian Eitner und Cappuccino.

Björn: Bei Jazzkantine fällt mir als Erstes immer der Soundtrack von Viktor Vogel- Commercial Man ein. Seit ihr auf die Macher des Films zugegangen oder umgekehrt?

Christian: Der Regisseur Lars Kraume hat sich an uns gewandt, denn sie brauchten für eine Bar-Szene einen französisch rappenden Sänger und so kam der Livesong Liberté zustande.

Björn: In dem Soundtrack ist auch eine Sängerin vertreten, welche Rolle spielen Sängerinnen in der Band?

Christian: Sängerinnen spielen immer wieder eine grosse Rolle in unseren Projekten, man könnte sie auch als Sahnehäubchen bezeichnen.

Björn: Ihr arbeitet schon seit zehn Jahren zusammen, wie schwierig gestaltete es sich zwei Musikstile zu verbinden?

Christian: Am Anfang war es gar nicht so einfach einen gemeinsamen Weg zu finden.

Cappuccino: Die Jazzer spielten ihre Musik. An der Stelle wo der Saxophonist sein Solo normalerweise hätte, dachten wir Rapper eine Lücke, lasst uns losrappen. Die Jazzer amüsierten sich köstlich und lachten uns immer aus, aber zum Schluss haben wir dennoch musikalisch zueinander gefunden.

Björn: Um auf die französische Sprache zurückzukommen, es ist doch außergewöhnlich, dass eine deutsche Band französisch singt?

Christian: In Frankreich haben Chansons eine Tradition. In Deutschland ist dies, durch den 2. Weltkrieg bedingt, nicht der Fall. Ein neues Bewusstsein für die deutsche Sprache ändert das jetzt, so konnte auch der deutschsprachige Hip-Hop seinen Siegeszug antreten. Diese Art Musik wird von Bands wie Jazzkantine ins Radio oder woanders hingebracht.

Cappuccino: Der Text muss nicht immer so extrem verschachtelt sein, Musik soll Spass machen.

Björn: Wie lange macht ihr schon insgesamt Musik?

Christian: Der DJ z. B. hat keine musikalische Ausbildung, seine Musikalität wurde durch Platten auflegen und viel Musik hören geschärft, für das Wesentliche. Ich selber war mit dem Trommler und Keyboarder in einer Schülerband. Dadurch ist der Jazzkantinen-Sound so homogen.

Cappuccino: Wir sind der lebende Beweis für solch ein erfolgreiches Projekt, seit 10 Jahren.

Björn: Was haltet ihr von Casting- Shows?

Christian: Bei der Auswahl an Sender wundert einen die Menge von Casting- Shows überhaupt nicht. Es gibt einige Typen die sind gar nicht so schlecht, mich stört viel mehr das Drumherum, wie die 0190 Abzocke. Da werden ja auch nur Plätze bei den Plattenlabeln besetzt, die sonst intern gefüllt worden wären. Außerdem stören mich solche Leute wie „ D “, Solarium gebräunt, auf Ami machen und den Mädels erzählen wollen, mit der Figur und dem Gesicht wird das nichts. Wir haben es recht schwer uns zu behaupten gegen diese Mitbewerber, da wir aber viel Live spielen, heben wir uns von den Anderen aber ein wenig ab.

Björn: Das bringt mich auf einen Kommentar, bei einer Ken FM- Sendung, von Sandra Nasic (Guano Apes) über die Band WIR SIND HELDEN, "die spielen ihre Instrumente ja noch selbst".

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit eurem neuen Album.

Text: Bjorn Hensel / Fotos: Petra Preuß

 

 

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