Torch

Pionier und Rapstar
Torch
ist zurück. Eigentlich war er nie weg gewesen, doch im Medienrummel um
die Superstars und Newcomer des deutschen Raps, zog er es vor, sich zurückzulehnen
und die neuen Rapgrößen zu analysieren. Dass der heute 29jährige
Heidelberger nach fast 20 Jahren Hip Hop noch lange nicht rapmüde ist,
beweist nach den Maxi-Singles „Die Welt Brennt / Wir Waren Mal Stars“
und „Gewalt Oder Sex“ sein heiß erwartetes Album „Blauer Samt“. Auf
dem Sektor Hip Hop sprengt der Ausnahme-Rapper hierzulande alle
Superlative: Schon während der frühen Achtziger, als viele der heutigen
deutschen und amerikanischen Rapstars noch in Windeln herumliefen, wurde
Torch mit der Hip Hop Kultur konfrontiert. Er durchlebte alle Facetten des
New Yorker Phänomens: Mit Freunden breakte er in der Fußgängerzone, in
jungen Teenagerjahren hielt er die erste Sprühdose in der Hand, sein
Sprayerleben begleitete einen Großteil seiner Rapkarriere. Nebenbei ist
er bis heute im Rahmen des Zulu Sound Systems auch als DJ tätig. 1985 krönte
ihn Afrika Bambaataa, der Godfather Of Hip Hop, zum ersten
Zulu-Nation-Chapter Deutschlands. Zwei Jahre später gründete Torch mit
seinen vier Kumpels Toni L., Linguist, Gee-One und DJ Mike MD die
Rapgruppe Advanced Chemistry (AC). Nach spärlichen Anfängen in
englischer Sprache, widmeten sich die Jungs dem deutschsprachigen Rap, was
bis dato außer dem österreichischen Popstar Falco niemand gewagt
hatte. Während
sich viele Konkurrenten darüber lustig machten, dass AC auf Deutsch
rappten, repräsentierten diese sich und ihre Heimat auf diversen Jams und
Rap-Veranstaltungen quer durch Europa. Sie mussten sich eingestehen,
dass der deutsche Rap gegenüber dem in Frankreich und England weit
unterentwickelt war. Das
änderte sich 1992 mit der politischen Maxi „Fremd Im Eigenen Land“,
auf der Torch seine Stimme erstmals auf Platte verewigte. Die drei
AC-Jungs (Gee-One und Mike MD hatten die Gruppe verlassen) setzten nicht
nur einen Meilenstein in der deutschen Rapkultur, sondern erregten durch
ihren gesellschaftskritischen Song auch Aufmerksamkeit bei Medien aller
Couleur. Einerseits füllte AC die Feuilletonseiten der Wochenzeitung
Die Zeit, andererseits lief das billig produzierte Video bei MTV rauf und
runter. Die Scheibe ist bis heute die bestverkaufte Platte ihres damaligen
Vertriebs EFA. Es
folgten drei weitere Maxi-Singles, die allesamt textlich und musikalisch
neue Maßstäbe setzten. Für „Dir Fehlt Der Funk“ sang der heutige
Fernsehsuperstar Anke Engelke den Refrain. Auch die Compilation „Alte
Schule“, deren Cover Torch zierte, und für die er den Titel „Kapitel
1“, heute sein absoluter Klassiker, beisteuerte, brachte den Rap in
Deutschland stark nach vorne. Das Album „Advanced Chemistry“ rundete
den Kult um die drei MCs exzellent ab. Inzwischen
hatte Viva-Moderator Torchkinsky, wie er sich selbst nannte, der 1994 ein
Jahr lang die erste deutsche TV-Rap-Sendung „Freestyle“ (der Vorläufer
von „Wordcup“ und „Mixery Raw Deluxe“) moderierte, sein eigenes
Label 360° Records ins Leben gerufen und mit seinem Partner Boulevard Bou
das Piemontstudio gegründet. Von hieraus ebnete er alten und neuen
Rap-Talenten den Weg zur Plattenveröffentlichung. 360° veröffentlichte
u.a. die heutigen Szenegrößen Toni L., Ebony Prince, DJ Stylewars, Curse,
D-Flame und La Mixture aus Frankreich. Während
sich selbstredend auch MCs aus den USA (KRS-One, Arsonsists, Al Tariq, Kid
Frost, Afrika Bambaataa und Grandmaster Melle Mel) neben dem deutschen
Rap-Pionier ans Mikro stellten, tüftelte dieser mehr und mehr die Idee
seines ersten eigenen Solo-Projekts aus. Schnell war ihm klar, dass er auf
einem Soloalbum all seine verrückten Ideen und Vorstellungen am Besten
umsetzen könnte. Nachdem
Mr. Torch mit der vielfältigen Doppel-Maxi „Die Welt Brennt / Wir Waren
Mal Stars“ und der darauf folgenden Single „Gewalt Oder Sex“ einen
grandiosen Einstand feierte, ist sein erstes Solo-Album jetzt endlich da! „Blauer
Samt“ ist kein gewöhnliches Rap-Album. Hier beweist jemand, dass er
textlich allen Konkurrenten überlegen ist, und dass er jahrelang an der
Entstehung seines Longplayers gearbeitet und gefeilt hat. Fakt ist, dass
sich bisher kein deutscher Rapper so von Herzen und tiefgründig an seine
Hörer gewandt hat wie Torch. Jeder, der dieses Album auf- oder einlegen
wird, wird gezwungen sein, den Reimen zuzuhören, so fesselnd bringt er
seine Reime rüber. Ob
es die skurrile Geschichte im schleppenden „Auf der Flucht“ (feat.
Raggastar Eek A Mouse) ist, das profunde Wortspiel im lyrischen Kunstwerk
„Ich hab’ geschrieben“, die treffende und subtile Sozialkritik in
„Gewalt oder Sex“ oder die Liebeserklärung in „Hey Mädel“, die
Lyrics regen stets zum Nachdenken an, und verursachen beim Hörer nicht
selten eine Gänsehaut. Der
lyrischen Glanzleistung steht freilich der Sound in nichts nach. Fast gänzlich
von Torch und Boulevard Bou selbst produziert, erwartet uns eine Reise
quer durch softe und harte Beats und obskure, bisher nicht gekannte
Samples - manchmal rough, manchmal funky. Rap, Funk, Soul, Reggae, Zouk,
Pop, Rock, Jazz und sogar Klassik – die Einflüsse unseres Rappers
kennen keine Grenzen; das spiegelt „Blauer Samt“ eindeutig wieder. Wer
Gefühle und Situationen so emotional auf völlig innovativer Musik
schildern kann, und behauptet, er würde eigentlich nur aus dem Nähkästchen
plaudern, der hat den Titel Rapstar wahrlich verdient. Respekt!
Weitere Infos: Offz.HP: www.mctorch.de
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Mellow Park Jam - 16.Juni 2001 weitere Infos hier |
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TORCH war mit DJ STYLEWARZ auf Tour. Fotos davon hier... |
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TORCH war mit Toni L. und Kronstädta am 13.10.02 zu Gast bei kenfm. Fotos hier... |
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