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Als
ein Gründer der Kolchose war er mit Freundeskreis das erste
Signing von Four Music. Trotz konsequentem Hip Hop - Ethos und dem
Anspruch, Politik als Selbstverständnis im Popkontext zu
etablieren (z.B.: Leg Dein Ohr Auf Die Schiene der
Geschichte), ging das Debütalbum Quadratur des Kreises
nicht nur in die Charts, sondern auch 170.000 mal über den
Ladentisch. Mehr noch: Mit A.N.N.A. schenkte Max Herre den
90ern eine seiner größten Liebeshymnen, ausgezeichnet mit „Altgold“
(für über 250.000 verkaufte Tonträger). Anschließend
entstanden die Singles Tabula Rasa, der erste Battle-Rap in
den deutschen Top 10 und Halt Dich An Deiner Liebe Fest,
der erste Roots Reggae in den Top 40. Das ‘99er
Freundeskreis-Album Esperanto verkaufte sich dann sogar
300.000 mal und gebar die Single Mit Dir, den ersten
deutschen „R&B - Hit“ in den Top 5. Kurz: Max Herre hat
schon immer Musik gemacht, die Experten bewundern und Millionen
erinnern. Er war der Konzeptvater der FK-Allstars, die neben
erfolgreichen Tourneen und dem legendären Live-Album En
Directo auch heute etablierte Solo - Artists wie Gentleman und
Joy Denalane einführten.
Ein
konsequenter Weg: Von seinen ersten Bands Seedless Jam und Agit
Jazz zum Freundeskreis-Frontmann und Produzenten, von der Ehe
mit Joy Denalane zum Vater ihrer beiden Söhne und des Top 10 „Album-baby’s”
Mamani. Jetzt, nachdem er sich lange genug hinter den
Kulissen als Produzent, Verleger, Regisseur für Joy´s Videos und
A&R für Four Music engagiert hat, ist das musikalische
Mastermind aus Stuttgart auch als Performer wieder da: am 13.
September erscheint Max Herre´s erstes eigenes Album.
Unterstützt wird er dabei neben Joy Denalane von den FK Allstars
Tommy W., Frank Kuruc und Don Philippe, seinem Berliner
Studio-Partner Carsten Schedler, den US - Produzenten Sholar,
Wajeed und vielen mehr.
„So
komm’ ich zurück“, sagt Max und drückt auf Play. Die kleine
Boombox, bei der er eben Der kleine Eisbär mit einer
bekritzelten CD-R ersetzt hat, spuckt es aus: Das erste Stück
seines Albums, Zu elektrisch. Eine Vorabsingle mit
Battleraps und Rockrefrain. „Ich wollte erstmal den Hip Hop-Fans
was geben. Bestimmt haben viele gedacht, ich hätte mich von Rap
verabschiedet und würde ein Soul-Album machen oder so. Mit diesem
Song kann ich sowohl das Rap - Ding hochleben lassen, als auch den
Blick auf eine neue Facette meiner Musik lenken, nämlich
Bluesrock. Außerdem kann ich einfach immer noch spitten”, sagt
Max lachend. Er dreht den Sound weg, erzählt von der wieder
gefundenen Liebe zum Hip Hop, von Rap als seiner natürlichen
musikalischen Sprache. Er nennt Künstler wie Jay-Z, aber auch
Black Thought, um dann von Bob Marley’s Natty Dread über
Al Green’s Let’s stay together zu der englischen 70s
Rockband Free, Ostbeat-Musikern wie Hansi Biebl oder auf den
Singer/Songwriter Nick Drake zu kommen. So erklärt sich auch die
Veröffentlichung von Zu elektrisch als Opener Single für
dieses Album, das keine Schubladen kennt. „Natürlich hat diese
Platte musikalisch eine große Bandbreite. Ich habe eben
verschiedene Vorlieben und Referenzen, die ich zitiere, um dann
etwas eigenes daraus zu machen.” Eigenheit ist die Devise,
einzigartig das Resultat. Max Herre beherrscht, was ihn
beherrscht.
Vor
zwei Jahren mit Joy Denalane nach Berlin gezogen, fand er, der
früher eher halbherzig hinhörte, wenn seine Bandkollegen Sékou
und Don Philippe ihre Hendrix-Alben im FK-Tourbus blasteten,
langsam aber sicher Gefallen an Rock. Und dann natürlich an „Ostbeat“,
seinen Amiga-Flohmarktfundenvon Jürgen Kehrt über Veronika
Fischer bis Hansi Biebl. „Da gibt es echt schöne Soul-Stücke
auf deutsch", schwärmt er. „Darüber bin ich auch zu City
gekommen, die mehr eine Deutschrock Band sind. Die Line von diesem
Stück war einfach der Hammer: „In seinen Gedanken ist er der
King vom Prenzlauer Berg.“ Das hat mich inspiriert ein ganzes
Stück zu schreiben. Über Neu-Prenzlauer Berger, die halt King -
mäßig abgehen.“ Der neue Song, dessen Hook City-Sänger Toni
Krahl selbst neu eingesungen hat - über 25 Jahre nach seiner
ersten Veröffentlichung -erzählt die Geschichte von einem alten
Bekannten aus Stuttgart, den Max in Berlin wieder trifft. Und der
ist nicht nur ein absoluter Hipster, sondern vor allem mehr
Berliner als der Rest der Stadt. Sogar sporadische Berlin-Besucher
kennen diesen Typ, so gut beobachtet und so treffend beschrieben
wurde er bis jetzt noch nicht. Der eine oder andere wird sich
wieder erkennen und schmunzeln. Und: alle anderen lachen mit.
Noch
ein weiterer Berlin-Song findet sich auf dem neuen Album, eine
elegant entspannte Fortsetzung der Anna-Geschichte, die Max mit
Slum Village-Produzent Wajeed aufgenommen hat. „Als wir im
Sommer 2002 hergezogen sind, lief bei „Kiss FM“ immer noch A.N.N.A.
auf Rotation“,erzählt Max. „Die Leute hören das jeden Tag
und sehen mich in der Stadt und denken nicht, dass es für mich
zwar immer noch gut, aber eben auch vorbei ist. Sowohl
musikalisch, als auch von der Geschichte. Es ist einfach acht
Jahre her, dass ich das geschrieben habe - und jetzt ist nun mal
vieles anders. Ich wollte einfach meine jetzige Situation
beschreiben: Wir kommen raus, es regnet, aber ich stehe da halt
nicht mehr allein. Ich habe einen Sohn, den ich vom Kindergarten
abgeholt habe und sie hat auch ein Kind. Sie ist zufällig gerade
in Berlin, sucht eine Wohnung und wir verabreden uns. Aber es
bleibt unklar, was passiert. Eigentlich ist da überhaupt nichts,
aber es ist eine alte Geschichte, die einen einholt. Man ist in
einer Situation, in der man eigentlich glücklich ist und trotzdem
fühlt man plötzlich so eine Unruhe und zweifelt für einen
Moment. Denkt: Das hätte auch ganz anders laufen können.“
Schon ist man bei
den anderen Liebesliedern des Albums: 1ste Liebe, ein
Stück mit Joy Denalane im Refrain, das sich erst am Ende als eine
Widmung an Stuttgart entpuppt, oder auch Wie Du bist (mit
Manumatei), einer der schönsten, weil einfachsten und
aussagekräftigsten Liebeserklärungen seit langem. Dann gibt es
da noch Du weißt (Bye Bye Baby), sein Bluesrock und die
Kehrseite der Beziehungsmedaille, sowie Jerusalem eine
Co-Produktion mit den Hamburger Silly Walks ein Roots Reggae Tune,
der sich mit der Situation im Nahen Osten befasst. Außerdem ein
wunderschönes Gitarrenstück namens Alter Weg im Stil von
Nick Drake, für das sein geschätzter Four Music-Kollege Jan
Plewka getextet hat. Zum Schluss ein psychedelisch anmutendes
Interlude über die FK-Gitarrist Frank Kuruc gewohnt gekonnt
soliert. Es gibt noch einiges zu tun und ohnehin streikt die
Boombox.
Text:
Four Music
Weitere
Infos: www.maxherre.com |