|
Mit der Kriegskunst, wie sie Niccolo Machiavelli vor 500 Jahren in "Dell´
Arte Della Guerra" propagierte, hat die Kunst der Kriegsführung des
Berliner DJs Desue wenig zu tun. Denn selbst wenn man in den Protagonisten
der HipHop-Bewegung eine Art Bürgermiliz vermuten möchte, hier geht es
eher um Interessenartikulation und ein Mit-, nicht ein Gegeneinander.
Deswegen möchte Desue eigentlich gar nicht mehr über seinen Beef mit
einem anderen sehr populären Plattendreher und Produzenten sprechen:
"Das Thema ist für mich gegessen, ich will gar nichts mehr hören
von der Scheiße. Ich habe mich da ehrlich gesagt selber ein bisschen
reingesteigert als sich der aufgestaute Ärger bei mir entladen hat."
Desue lacht. Das tut er oft, eigentlich nach jedem Satz und deshalb kann
man sich vorstellen, wie entspannt die Arbeit zu seinem neuen Album
"Art of War" vor sich gegangen sein muss.
Der heute knapp 23jährige Desue war 14, als er mit Plattennadel und
schwarzem Gold intensiver in Berührung gekommen ist. Da hat er sich den
Plattenspieler aus der Anlage seines Vaters ausgebaut und sich selbst sein
Scratching-Tool zusammengebastelt. Seine neu erworbenen Künste durfte er
dann gleich beim Berliner Radiosender KissFM vorexerzieren, lediglich ein
paar Platten in der Kiste und eine große Zukunft vor sich. Daheim wurde
indessen fleißig produziert: Mit Savas und Fuat hat er auf dem Amiga an
Beats gebastelt, die teilweise auf Tapes und schließlich bei seinem späteren
Rah-Rah-Labelpartner Julien Smith auf dem Tisch landen sollten. Kennen
gelernt hatte man sich schon, als Desue nach seinem Schulabschluss nach
New York gefahren war. Zwei Jahre Funkstille später folgte die Einladung
Juliens nach L.A. Ein Koffer voller Beats und persönliche Bekanntschaften
waren die Folge, die aus Desues erstem Producer-Album "O.L.C."
ein Who´s Who des amerikanischen Westcoast-Underground machten. Übrigens
ein gutes Stück bevor sich ein anderer deutscher DJ in internationale
Gefilde wagte. Aus Berlin ist der gebürtige Haschim Elobied durch seine
Arbeit für KC Da Rookee und KMC ohnehin nicht mehr wegzudenken und sein
Beat für "Adriano" von den Brothers Keepers hat ihn schlagartig
einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Die Nummer Eins Single
signalisierte Aufbruch, ein neues Selbstbewusstsein und die
Geschlossenheit der afrodeutschen Szene. Und der Beat zur Kampfansage an
rechte Gewalttäter reihte DJ Desue neben seinem Freund Samy Deluxe, neben
Xavier Naidoo und Afrob in die Oberliga deutschen HipHop-Schaffens ein.
Ganz zu Schweigen von Desues Beisteuerung zu KC Da Rookees "Four
Fists"...!
"Art Of War" ist eigentlich eher ein Kopf- oder Gedankenkrieg.
Wir haben allen Beteiligten den Albumtitel genannt, ihre Gedanken zu dem
Thema haben sich die Leute dann selber gemacht." Auseinandersetzungen
persönlicher oder universellerer Art bestimmen demnach die Texte,
Lebensphilosophien wenn man so will, die gerade durch das
Aufeinandertreffen amerikanischer und deutscher Künstler ihren
faszinierenden Reiz erhalten.. KC Da Rookee trifft auf die Legenden Sadat
X und Diamond D (D.I.T.C.), Afrob reimt mit Nas-Protege Nature, Samy
Deluxe wir von Buckshot (Black Moon) unterstützt, Savas und Jan Eissfeldt
"begnügen" sich mit deutschen Counterparts wie z.b. ersterer
mit Glashaus Sängerin Cassandra Steen. Eines haben die Kollaborationen
aber gemeinsam: Den auf die jeweiligen Künstler maßgeschneiderten Beat
und die unverkrampfte Entstehungsweise. Kein massiver Cashflow und keine
hin- und hergesandten Dat-Bänder, sondern gemeinsames Abhängen im Studio
hat die Aufnahmen geprägt. Unverkrampftheit, DJ Desues höchsteigene
Taktik: "Meine persönliche `Art of War´? Einfach nur durch´s Leben
zu gehen und nicht zu viel zu labern. Ich mache lieber mein Ding und zeige
dann, was ich habe. Das ist meine Art, eher defensive Kriegsführung
eben." Dass die äußerst erfolgreich werden kann, stellt "Art
of War" unter Beweis, das sich letztlich sogar als wechselseitig
nutzbarer Brückenschlag zwischen den USA und Deutschland herausstellen könnte:
Die englischsprachigen Tracks werden aller Voraussicht nach auch im
Mutterland von HipHop released. Friedliche Rekolonialisierung nennt man
das dann, auch eine "Art Of War".
Offz.
Homepage: www.djdesue.de
|