Interview mit SPN-X 22. Juni 2001 in Cottbus

SPN-X sind: 

Nico(la) - rote Haare

Michael(a) - blaue Haare

Aleks(andra) - blonde Haare

(Frau) Pupe - Brille

SPN-X Interview

 Das Interview führten Christoph Neumann und Suzanne Oertl

Ihr gebt euch freiwillig Mädchennamen. Wärt ihr gern eine Girlie-Punk-Band? 

SPN-X: „Eigentlich wären wir gern als Frauen zur Welt gekommen. Es wäre extrem spannend, mal für einen Tag eine Frau zu sein und zu sehen, wie sich das anfühlt.“ 

Wie und wann habt Ihr euch kennen gelernt? 

SPN-X: „Wir sind zusammen auf eine Schule gegangen und haben uns dort vor sieben Jahren kennen gelernt. Aleksandra und Nicola haben früher schon gemeinsam in einer Band gespielt – der Name: „Ein rasantes Musik“. Dann haben sie sich den damaligen Disco-Türsteher „Frau Pupe“ als Schlagzeuger hinzugeholt. Michaela hat zu diesem Zeitpunkt noch in einer Hippie-Band gespielt. Vor drei Jahren ist er zu uns gestoßen und seit dem stehen wir als SPN-X auf der Bühne. 

Wie kam es zu eurer Bewerbung für den f6 Music Award? 

SPN-X: „Unser Manager hat uns gefragt, ob wir es nicht versuchen wollten. Eigentlich hatten wir keinen Bock mehr auf Talent-Wettbewerbe. Wir haben schon an vielen teilgenommen, die Jury hat jedoch nie unsere Musik und die Texte verstanden – gewonnen haben wir nie. Wir haben es uns dann doch anders überlegt, haben uns  beworben und: durften teilnehmen. Beim f6 Music Award war es anders: Die Stimmung, die Leute und vor allem das Equipment. Dort stand 1A Technik, eine riesige Bühne und der Sound war unbeschreiblich. So etwas hatten wir vorher noch nie erlebt.“ 

Habt ihr euch für die Konzerte besonders vorbereitet? 

SPN-X: „Wir haben Bier getrunken und die Setlist erstellt.“ 

Das ist ja kaum zu übertreffen. Stieg das Lampenfieber vor dem Finale – nach dem Motto ‚zusammenreißen und wieder gewinnen‘? 

SPN-X: „Nein, eigentlich nicht. Wir haben ein, zwei Mal geprobt und dachten ganz einfach: Wenn’s einmal klappt, klappt’s auch beim zweiten Mal. Ehrlich gesagt fühlten wir uns besser als die anderen Bands. Wir hätten ein größeres Spektrum erwartet. Hinzu kommt, dass wir entsetzlich viele Pannen auf der Bühne hatten, z.B.: Michaela ist der Gitarrengurt gerissen, er hatte glücklicherweise einen zweiten mit, und Nicola hat sich das Kabel rausgetreten. Als ernste Konkurrenz sahen wir „Nevis“ und „Boon“. 

Was habt ihr nach der Preisverleihung erlebt? 

SPN-X: „Wir haben bis in den Morgen hinein gefeiert, mit Apfel-Amaretto. Am nächsten Tag sind wir nach Cottbus zurück gefahren und seit dem ist jeder Tag ein Jubiläum.“ 

Wie haben eure Freunde und Familien auf den Sieg reagiert? 

SPN-X: „Die haben alle genauso gefeiert. Wir hatten zwei Fan-Busse mit, auf der Rückfahrt hatte der Busfahrer eine harte Zeit. Vor allem die lokale Presse hat sich sehr für uns gefreut. Es kamen ganze Seiten nur über SPN-X.“ 

Habt ihr in den Wochen darauf interessante Angebote für Auftritte erhalten? 

SPN-X: „Es kamen viele Gigs, auch außerhalb von Cottbus, mit Radio-Reportagen usw. Das hat uns ermöglicht, eine größere Fangemeinde zu erobern. Und von Oktober bis Dezember gehen wir zum ersten Mal richtig auf Tour.“ 

Was macht ihr sonst? 

SPN-X: „Wir proben jeden Tag ab 10.00 Uhr und schreiben neue Songs.“ 

Das klingt nach großer Disziplin. Was ist, wenn ihr abends mal richtig gefeiert habt? 

SPN-X: „Eigentlich ziehen wir das durch. Wenn wir uns mal richtig verfeiert haben, dann proben wir erst ab 11.30 Uhr.“ 

Verhalten sich die Leute aus eurem Umfeld, jetzt, wo ihr in der Presse und auf Musiksendern zu sehen seid, anders? 

SPN-X: „Eigentlich nicht sonderlich. Klar, die Leute erkennen uns durch das Musikvideo und sprechen uns manchmal auf der Straße an. Unsere Freunde sind noch genauso „bescheuert“ wie früher. Witzig ist nur, dass wir jetzt auf einmal zusätzliche Freunde haben, mit denen wir früher noch nie was zu tun hatten.“ 

Ist euer Leben nun richtig stressig geworden? 

SPN-X: „Im Prinzip nicht. Natürlich gibt es hin und wieder Tage, an denen viel anliegt. Heute Abend haben wir z.B. erst ein Konzert, danach fahren wir nach Berlin, treten in einer Radio-Morningshow auf, fahren zurück und ab 12.00 Uhr morgens ist dann „Nachtruhe“ angesagt. Solche Tage sind wirklich stressig.“ 

Seid ihr mittlerweile denn stresserprobt?

SPN-X: „Ja, aber nur dadurch, weil wir oft auf dem Arbeitsamt gesessen haben. Es gibt sogar Gerüchte, die sagen, dass wir vom Arbeitsamt zusammen gecastet worden sind.“ 

Habt ihr euch zum Ziel gesetzt, von der Musik zu leben? 

SPN-X: „Auf jeden Fall! Spaß zum Beruf zu machen, das ist das Größte. Michaela hat es auch mal mit der „Glücksspirale“ versucht. Wir hätten natürlich auch Mauerer werden können, aber dann würden wir nie das Geld für unseren Traum, eine eigene Softeismaschine, zusammenbekommen.“

Wie war der Video-Dreh zu euer ersten Single? 

SPN-X: „Das war Stress, den wir bislang nicht kannten. Wir mussten stundenlang bei Regen und Sturm auf einem Dach stehen. Danach hatten wir noch einen Gig.“ 

Welche Erfahrungen habt ihr im Studio gemacht? 

SPN-X: „Das war schon immer unser Ding, es hat viel Spaß gebracht. Wir verstehen jedoch nicht, warum man einen Song kürzen muss, damit er radiokompatibel ist. Wir schreiben seitdem nur noch Songs mit 3,09 Minuten, da kann uns so etwas nicht mehr passieren.“ 

Wo spielt ihr am liebsten? 

SPN-X: „Free, Fly, Fun und Open-Air! Wir spielen gern auf einer großen Bühne, aber auch in kleinen Clubs und natürlich in unserem Proberaum. Am liebsten würden wir mal im SO36 in Berlin spielen, da waren schon alle Kultbands.“ 

Mit welchen Idolen würdet ihr gern einmal gemeinsam auf der Bühne stehen? 

SPN-X: „Mit Fips Asmussen und „Die Ärzte“, „Guns N’Roses“ oder „NO-FX“.“ 

Im Film „Wie Feuer und Flamme“ spielen Bands wie z.B. die „Dead Kennedys“ eine zentrale Rolle. Habt ihr zu 80er Jahre Punk-Bands noch Beziehung? 

SPN-X: „Wir waren zu dieser Zeit noch sehr jung. Aber in irgend einer Schublade liegt solche Musik bei uns allen. Man hat das mal gehört und mitgewackelt. Wir waren schon immer Fans der Punkmusik.“ 

Kennt ihr die Geschichte des Punk in der DDR? 

SPN-X: „Man hat nie Punks gesehen, und wenn, dann waren die ganz schnell wieder um die Ecke verschwunden. Die Erinnerung an damals ist ziemlich verschwommen. Wir wussten, dass es den Osten und den Westen gibt. Einmal haben wir ein Konzert von den „Ärzten“ auf dem DDR-Sender DT64 aufgenommen. Das war klasse! Mit den drei Cassetten Mitschnitt war man König.“ 

Was bedeutet heute Punk für euch? 

SPN-X: „Punk ist alles, was cool ist und nicht aneckt. Außerdem Fips Asmussen, unsere Grillecke und natürlich Trickfilme.“ 

Wie seht ihr euren Beitrag zur Musikszene? 

SPN-X: „Wir sehen uns als Expander der deutschen Musik-Szene, lassen uns aber nicht verbiegen. Wir sind flexibel und offen – wir sind so gesehen die vier „Strippen“, die einfach zusammengehören.“ 

Habt ihr außer der Musik noch andere Leidenschaften?

SPN-X: „No Sports! Wir haben aber unseren eigenen Wettkampf im Kugelstoßen. Damit es fair zugeht, wird die Weite in Relation zur Körpergröße gesetzt. Ansonsten lieben wir es, in einem schönen Hotel zu übernachten und im Pool schwimmen zu gehen.“

 

 

Zu den weiteren Infos:  SPN-X

f6 music award

 

 

 

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